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Intestinale Parasiten, Darm und Haut: Warum Darmparasiten an der Wurzel von Hautproblemen liegen können

  • Autorenbild: Marcelline Goyen
    Marcelline Goyen
  • 8. Dez. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Darmparasiten Darm haut ekzem - Marcelline Goyen


Inhaltsverzeichnis



Einführung: Darmparasiten und Haut

Die Vorstellung, dass Darmparasiten — Darmpathogene — zu Haut und Hauterkrankungen beitragen können, mag kontrovers klingen. Dennoch beobachte ich in meiner dermatotherapeutischen Praxis immer wieder Klient:innen mit Haut-Darm-Beschwerden, deren Stuhltests Organismen wie Blastocystis hominis und Dientamoeba fragilis nachweisen, manchmal auch Enterobius vermicularis (Madenwürmer). Häufig treten bei diesen Fällen chronische Hautsymptome wie Ekzeme, Juckreiz oder Akne auf — begleitet von Verdauungsproblemen.


Obwohl viele Behandler skeptisch sind — da diese Parasiten auch bei asymptomatischen Personen vorkommen — nimmt die wissenschaftliche Evidenz zu, dass wir sie ernst nehmen sollten. In diesem Artikel untersuche ich, wie Interaktionen zwischen Parasiten, Darm und Haut sowohl Verdauungs- als auch dermatologische Beschwerden beeinflussen können, warum Ernährung und Lebensstil eine Rolle spielen und wie Therapeut:innen dies in der Praxis berücksichtigen können.



Die Darm–Haut-Achse: Mehr als nur das Mikrobiom

Die „Darm–Haut-Achse“ beschreibt, wie der Zustand des Darms die Haut über immunologische, metabolische und mikrobielle Mechanismen beeinflusst. Wird das Darmmikrobiom gestört — etwa durch eine unausgewogene Ernährung, Dysbiose oder Pathogene — kann dies Entzündungsprozesse aktivieren, die sich auf der Haut widerspiegeln.


Während die meisten Diskussionen über die Darm–Haut-Achse sich auf Bakterien, Pilze oder Hefen konzentrieren, stellen intestinale Parasiten — Protozoen oder Helminthen — einen weniger beachteten, aber relevanten Faktor dar. Neue Reviews deuten darauf hin, dass bestimmte Parasiten die Darmimmunität modulieren können, was sich wiederum auf Hautbarriere und Hautimmunität auswirkt. ScienceDirect+1


Das Einordnen von Parasiten als Teil des darminternen Ökosystems erweitert unser Verständnis möglicher Ursachen chronischer Hautstörungen.



Seborrhoisches Ekzem, behandelt mit Darmtherapie. Foto: Marcelline Goyen, BSc Hauttherapie
Bild von Marcelline Goyen: zeigt ein Beispiel einer Behandlung von seborrhoischem Ekzem vor und nach einer Darmtherapie. Die Ursache dieses „chronischen Ekzems“ schien ein Darmparasit zu sein. Dieses Praxisbeispiel wird ausführlich in ihrem Buch „The amazing world of the skin–gut axis, including the role of the microbiome“ (2024) beschrieben.

Wie intestinale Parasiten die Haut beeinflussen können

  • Klinische Zusammenhänge mit Hauterkrankungen

    Eine systematische Review fand, dass Infektionen mit Blastocystis-Arten mit Hautläsionen, Urtikaria, seborrhoischem Ekzem, Ausschlägen und Juckreiz assoziiert sind. PubMed+1

  • Immunmodulation

    Tiermodelle zeigen, dass eine intestinale Helmintheninfektion die T-Zell-Zusammensetzung in der Haut verändern kann — zugunsten eines TH2-dominanten Musters. Dadurch kann die Immunkompetenz der Haut langfristig beeinflusst werden. PubMed

  • Interaktion Darm–Immunsystem–Haut

    Parasiten interagieren mit dem Mikrobiom, können es stören oder niedriggradige Entzündungen hervorrufen, die sich systemisch auswirken. ScienceDirect+1

  • Beobachtungen aus der Praxis

    In meiner dermatotherapeutischen Arbeit habe ich wiederholt gesehen, wie sich persistierende Ekzeme, Akne oder seborrhoische Dermatitis deutlich besserten, nachdem gezielt gegen Parasiten behandelt und gleichzeitig Ernährung und Lebensstil angepasst wurden.


Diese Erkenntnisse legen nahe, intestinale Parasiten als mögliche Ursache chronischer oder therapieresistenter Hautprobleme mitzudenken — besonders bei gleichzeitigen Darmbeschwerden.



Ernährung, Mikrobiom und Parasitenbesiedlung

Unsere Ernährung formt das Darmmilieu — und beeinflusst somit das Überleben und Wachstum von Parasiten.

  • Kohlenhydratreiche Ernährung

    Fermentierbare Kohlenhydrate dienen nicht nur Bakterien, sondern möglicherweise auch Parasiten als Nahrungsquelle. Zucker, Getreideprodukte und raffinierte Kohlenhydrate können ihre Besiedlung fördern.

  • Fettreiche oder hochverarbeitete Kost

    Sie kann das Mikrobiom aus dem Gleichgewicht bringen, die mikrobielle Vielfalt reduzieren und das Darmmilieu für pathogene Organismen anfälliger machen.

  • Unverarbeitete, ballaststoffreiche Ernährung

    Unterstützt ein widerstandsfähiges Mikrobiom, das potenzielle Pathogene besser verdrängen kann.


Kurz gesagt: Ernährungsgewohnheiten beeinflussen die Bedingungen im Darm — und damit indirekt die Hautgesundheit — indem sie die Ansiedlung von Parasiten fördern oder hemmen. Dies fügt sich in das umfassendere Konzept der Darm-Haut-Achse ein, wonach unsere Ernährung Einfluss auf die Darmflora, die Immunregulation und letztendlich die Hautintegrität hat.



Was Paläokot über uns verrät — Parasiten im Lauf der Geschichte

Sind Darmparasiten ein modernes Problem oder begleiten sie uns schon immer?Eine Studie von Capone et al. (2025) analysierte alte menschliche Fäkalien (Paläokot) aus einer Höhle in Mexiko, datiert auf 725–920 n. Chr.


Gefunden wurden DNA-Spuren von:

  • Dientamoeba fragilis

  • Blastocystis hominis

  • Enterobius vermicularis

  • Entamoeba spp.

  • Giardia spp.

  • und Bakterien wie E. coli Pubmed


Auch Pflanzenreste – Pollen, Samen, Fasern – und Phytolithe (Kieselsäurestrukturen von Pflanzen wie Agave, Kaktus oder Kürbis) wurden gefunden, was auf eine überwiegend pflanzliche Ernährung hindeutet. Trotz dieser Ernährung und Umwelt trugen diese frühen Menschen Darmpathogene in sich, was unterstreicht, dass parasitäre Besiedlung nicht nur ein Phänomen des modernen Lebensstils ist.


Parasitenbesiedlung begleitet den Menschen seit Jahrhunderten: Dies legt nahe, dass der Kontakt mit Parasiten – über Wasser, Boden, Pflanzen, Tiere oder Insekten – ein ständiger Bestandteil der Menschheitsgeschichte war. Der Unterschied heute könnte darin bestehen, dass Ernährungsumstellungen, Hygiene, Antibiotika und andere Faktoren beeinflussen, wer Symptome entwickelt und wer nicht betroffen ist.



Hygiene, Lebensstil und Parasitenexposition

Obwohl die Hygieneverbesserungen im Laufe der Jahrhunderte viele Infektionen reduziert haben, erinnert uns das weltweite Fortbestehen von Darmparasiten – selbst in entwickelten Ländern – daran, dass die Infektionswege weiterhin vielfältig sind:


  • Kontaminiertes Wasser oder Lebensmittel

  • Rohe oder unzureichend verarbeitete pflanzliche Lebensmittel

  • Kontakt mit Tieren, Insekten oder kontaminierten Oberflächen (Kleidung, Bettwäsche,

  • Internationale Reisen, globale Lebensmittelketten, Migration


Darüber hinaus können moderne Lebensstilfaktoren – wie verarbeitete Lebensmittel, Stress und Antibiotikaeinnahme – die Widerstandsfähigkeit und das mikrobielle Gleichgewicht des Darms beeinträchtigen und dadurch die Anfälligkeit für Parasitenbefall oder symptomatische Infektionen erhöhen.

Daher sollte selbst in hygienisch hochentwickelten Gesellschaften die Möglichkeit, dass Darmparasiten zu Haut- oder Darmsymptomen beitragen, nicht außer Acht gelassen werden.



Die wunderbare Zusammenarbeit zwischen Haut-Darm und Mikrobiom - Marcelline Goyen



Wie man eine Darm–Haut-Parasitenverbindung in der Praxis erkennt

Therapeut:innen können folgende Schritte nutzen, um Verdachtsmomente zu identifizieren:


Nach Stuhlgewohnheiten fragen:

  • Frequenz

  • Konsistenz, Klebrigkeit, Farbe, Geruch

  • Durchfall, Blähungen oder unregelmäßige Verdauung


Nach Hautsymptomen fragen:

  • chronische Ekzeme, Urtikaria, Juckreiz, Ausschläge

  • Akne, seborrhoische Dermatitis, unklare Hautentzündungen


Stuhluntersuchungen in Erwägung ziehen, besonders bei kombinierten Symptomen.


Ernährung & Lebensstil beurteilen:

  • hoher Konsum von Zucker & raffinierten Kohlenhydraten?

  • wenig Ballaststoffe oder Pflanzenvielfalt?

  • Stress, Antibiotika, geringe Flüssigkeitszufuhr?


Diese Faktoren – insbesondere in Kombination – können den Verdacht auf parasitäre Besiedlung oder übermäßiges Wachstum begründen und weitere Untersuchungen rechtfertigen.



Management: Diagnostik, Therapie und Lebensstil

Wenn Parasiten nachgewiesen werden:


  1. Gezielte antiparasitäre Behandlung – unter ärztlicher Aufsicht, gegebenenfalls mit geeigneten Medikamenten. Studien, die Blastocystis mit Hautsymptomen in Verbindung brachten, verwendeten Behandlungen mit Metronidazol, Tinidazol oder Paromomycin. PubMed+1

  2. Darmgesundheit & Wiederherstellung des Mikrobioms – Ernährung reich an Vollwertkost, ballaststoffreichen, unverarbeiteten Lebensmitteln; gegebenenfalls Prä- und Probiotika; Reduzierung von raffinierten Kohlenhydraten und Zucker.

  3. Optimierung des Lebensstils – ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Stressreduktion, guter Schlaf, Hygienemaßnahmen, sauberes Wasser und hygienische Lebensmittelzubereitung.

  4. Regelmäßige Stuhluntersuchungen und -kontrollen – insbesondere bei wiederkehrenden oder persistierenden Fällen; entsprechende Anpassung der Behandlung und der Lebensstilinterventionen.

  5. Ganzheitlicher Ansatz: Behandlung von Haut und Darm – persistierende Hauterkrankungen sprechen möglicherweise besser auf eine ganzheitliche Behandlung von Darmgesundheit, Mikrobiom und Lebensstil an.


In meiner Hauttherapiepraxis hat ein solcher integrativer Ansatz zu beobachtbaren Verbesserungen geführt: Patienten mit Ekzemen, seborrhoischer Dermatitis oder Akne erfuhren eine signifikante und anhaltende Linderung, wenn die Parasitenbehandlung mit Ernährungsumstellung und Lebensstiländerungen kombiniert wurde.



Marcelline Goyen BSc Hauttherapie & Autorin


Marcelline Goyen BSc Hauttherapie





Alle Haut-Darm-Büchern - Marcelline Goyen BSc Hauttherapie
Alle Bücher über die Haut-Darm-Achse wurden von der Haut-Darm-Expertin Marcelline Goyen BSc Hauttherapie in den Niederlanden verfasst.


FAQ — Parasiten, Darm & Haut

Frage: Können Darmparasiten wirklich Hautprobleme verursachen?

A: Ja. Mehrere Studien zeigen Zusammenhänge zwischen intestinalen Protozoen — insbesondere Blastocystis hominis — und Hautsymptomen wie Urtikaria, Ausschlägen, Juckreiz und chronischem Ekzem. PubMed+1


Frage: Wenn Parasiten so häufig sind, warum entwickeln nicht alle Hautbeschwerden?

A: Viele Menschen tragen Parasiten ohne Symptome. Hautprobleme entstehen häufiger, wenn zusätzliche Faktoren wie (Darm-) Dysbiose, Ernährung, Stress, Immunschwäche oder Koinfektionen hinzukommen.


Frage: Wann sollte man Parasiten als Ursache für Hautprobleme in Betracht ziehen?

A: Bei chronischen, anhaltenden oder therapieresistenten Hauterkrankungen – wie Ekzemen, Akne, Juckreiz oder wiederkehrenden Hautausschlägen – in Verbindung mit Verdauungsbeschwerden (unregelmäßiger Stuhlgang, Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall) sollte man an Parasiten denken. Das gleichzeitige Auftreten von Magen-Darm- und Hautbeschwerden ist oft ein klinischer Hinweis.


Frage: Wie werden Darmparasiten diagnostiziert?

A: Durch Stuhltests: Mikroskopie, PCR oder Antigen-Nachweise. Mehrfachtests erhöhen die Genauigkeit.


Frage: Kann man Darm- und Hautgesundheit ohne Medikamente verbessern?

A: In manchen Fällen ja — durch Ernährung, Hygiene und Darmunterstützung. In anderen Fällen ist gezielte medikamentöse Therapie notwendig.


Frage: Sollten Hauttherapeut:innen Parasiten immer bedenken?

A: Nicht immer — aber bei unklaren, wiederkehrenden Hautproblemen mit Darmbeschwerden ist es sinnvoll, sie in die Differenzialdiagnose einzubeziehen.Ein detaillierter Fall von seborrhoischem Ekzem, das mit einem Darmparasiten assoziiert war, ist in meinem Buch (Kapitel 1) beschrieben:👉  Skin-Gut axis Bookshop



Schlussfolgerung & Call-to-Action

Schlussfolgerung

Die wissenschaftliche und klinische Evidenz zeigt, dass Parasiten wie Blastocystis hominis und Dientamoeba fragilis über die Darm–Haut-Achse zu Hauterkrankungen beitragen können. Ernährung, Lebensstil und das Mikrobiom bestimmen, ob diese Organismen harmlos bleiben oder Symptome auslösen. Bei chronischen, hartnäckigen Hauterkrankungen kann das Ignorieren des Darms bedeuten, eine eigentliche Ursache zu übersehen.


Call-to-Action

Wenn Sie Therapeut:in oder Ärzt:in sind:

Erweitern Sie Ihre Diagnostik. Fragen Sie nach Darm, Ernährung und Lebensstil — und testen Sie, wenn nötig. Führen Sie gegebenenfalls Stuhluntersuchungen durch. Kombinieren Sie die antiparasitäre Behandlung (falls erforderlich) mit Maßnahmen zur Unterstützung des Mikrobioms sowie mit Ernährungsumstellungen und Lebensstiländerungen – und überwachen Sie die Verbesserungen von Haut und Darm.


Wenn Sie Betroffene:r sind:

Leiden Sie unter chronischen Hautproblemen und gleichzeitig unter Darmbeschwerden?Dann sprechen Sie mit Ihrer/m Behandler:in über die Möglichkeit eines Darm–Haut–Parasiten-Zusammenhangs.


Gemeinsam können wir den Weg von oberflächlicher Symptomlinderunghin

zu echter ursachenorientierter Heilung ebnen.



Marcelline Goyen BSc Hauttherapie







 
 
 

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